weg von Antibiotika

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weg von Antibiotika

Beitragvon Gast am 05.07.2006, 19:02

Hallo ihr,
ich habe seit 2 Jahren Antibiotika zu mir genommen, anfänglich nur 250 mg Zithromaxx dreimal die Woche, später dann 250 mg Vibramycin täglich.
Nun habe ich mir vor zwei Wochen gedacht, da es mir bis Dato schon seit einiger Zeit relativ gut ging, das Antibiotika einmal abzusetzen.
In der ersten Woche ging das ja auch alles ganz gut, aber seit letzter Woche habe ich einen starken Lungenleistungsabfall erlitten. Das hat sich zwar jetz nach einigen Tagen ein wenig stabilisiert, aber eben auf einem niedrigen Niveau.
Nun meine Frage: Wer hat schon einmal ähnliches erlebt? Hat sich euer Körper - speziell eure Lunge - von alleine wieder einigermaßen erholt nachdem der Antibiotika-Gewöhnungseffekt vorüber wahr? Gibt es überhaupt so einen Gewöhnungseffekt? Lohnt es sich überhaupt ein wenig zu "leiden" um kein Antibiotika mehr zu brauchen und dann Notfalls wieder ein wirkungsvolles Medikament zur Hand zu haben?

An all die jenigen die sich jetzt fragen ob ich blöd bin, Antibiotika einfach abzusetzten wenn es mir mit viel besser geht, sei gesagt, dass ich am eigenen Leibe schon erfahren habe, wie es ist, wenn bestimmte Medikamente nicht mehr Anschlagen, da man sie schon zu oft eingesetzt hat (Resistogramm[?!] hat sich auch schon leicht zum Neagativen verändert).

Vielen Dank schon einmal für eure Antworten
Gast
 

Beitragvon Schlangenlady am 05.07.2006, 19:28

Ich nehme seit meinem 12. Lebensjahr dauerhaft orale Antibiotika, früher Eusaprim, seit Jahren Cefuroxim 500, ab und zu dazwischen stattdessen 3-4 Wochen Zithromax oder Ciprobay gegen Pseudomonas. Mit etwa 20 habe ich auch mal einige Zeit damit aufgehört, hatte aber das Gefühl, öfters Fieber zu haben und infektanfälliger zu sein, weshalb ich dann doch wieder mit den Tabletten anfing.
Resistenzen sind ja hauptsächlich beim Pseudomonas ein Problem, weshalb ich versuche, z.B. IVs oder eben Ciprobay nicht ständig und prophylaktisch einzusetzen.
Ich denke, die "normalen" Breitbandantibiotika vermindern möglicherweise unsere Anfälligkeit für "normale" Bakterien und helfen so der Lunge.
Meine Leber-und Nierenwerte waren bisher glücklicherweise immer ok, da hatte ich nämlich früher so meine Befürchtungen, immerhin gab es ja keine Langzeitstudien, sondern wir waren die Versuchskaninchen...

Uli,44
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Beitragvon Carmeli am 05.07.2006, 20:39

Lohnt es sich überhaupt ein wenig zu "leiden" um kein Antibiotika mehr zu brauchen und dann Notfalls wieder ein wirkungsvolles Medikament zur Hand zu haben?


Hallo Gast
Kommt darauf an, wieviel Leidensdruck Du aushälst. Dank der Antibiotikatherapie werden heute viele CFler älter, als früher.
Ob sich Leiden lohnt? Lohnt es sich eine Vermehrung der Bakterien in der Lunge mit dem Risiko einer Lungenentzündung zu riskieren?
Bei einer Verschlechterung der Lungenfunktion und einer Lungenentzündung kommt es gerade bei CF auch zu bleibenden Schäden. Lohnt es sich dabei eine respiratorische Insuffizienz mit der Folge einer erforderlichen Sauerstofftherapie zu riskieren? Manche müssen dann auch sehr rasch gelistet werden. Lohnt sich das?
Hm, ich weiß ja nicht, was Du im Leben noch so vor hast. Wie alt bist Du denn? Wie ist denn Deine FEV1?

Liebe Grüße
Carmen
Carmeli
 

Beitragvon Heischeisch am 05.07.2006, 21:31

Hi Gast,

kannst Du Dir vielleicht einen Namen ausdenken, damit man Dich besser ansprechen kann, falls die Diskussion umfangreicher wird?

Du sprichst in Deiner Frage den Traum jedes CF-Mediziners an, denke ich: den Traum davon, Resistenzen wieder zurückzufahren und somit ein "altes" Antibiotikum wieder tauglich zu machen.

Leider ist das nicht so einfach, speziell nicht, wenn die Infektionsserien halt nicht mehr abreißen.

Vielmehr halte ich es für sehr gefährlich, die Antibiotika einfach abzusetzen. Du musst Dir klarmachen, dass dadurch wiederum unwiderruflich intaktes Gewebe durch verstärkte entzündliche Prozesse untergehen könnte. Damit verlierst Du mehr, als Du gewinnen würdest, selbst wenn Dir das gelingen würde, wovon Du da träumst!

Der Lungenleistungsabfall könnte ein Hinweis darauf sein. Von einem Antibiotika-Gewöhnungeffekt, wie Du es nennst, habe ich noch nie gehört. Zithromaxx z.B. hat per se schon neben infektionshemmenden vor allem auch entzündungshemmenden Charakter.

Also von mir her die klare Ansicht: nein, solche Experimente lohnen nicht, sie schaden nur.

Ich nehme an, Du hast das nicht mit den Ärzten abgesprochen, oder doch?

Liebe Grüße
Roland
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Beitragvon Carmeli am 06.07.2006, 06:21

Hallo Roland
Hallo Gast

Eine Resistenz eines Bakteriums (MRSA und multiresistenter Pseudomonas hier ausgeschlossen) besteht meist nur auf ein spezielles Antibiotikum.
Es entstehen z.Bsp. sehr schnell Resistenzen auf Ciprobay. ABER, wenn man dieses EINE Antibiotikum dann einige Zeit nicht mehr einnimmt, geht die Resistenz in der Regel zurück.

Sprich, es macht keinen Sinn, alle Antibiotika zu meiden, um die Resistenz eines speziellen zu vermeiden.

WICHTIG bei der Antibiotikatherapie ist es, dass man entsprechend HOCH und entsprechend LANGE THERAPIERT.

Wenn man mal ein paar Tage ein Antibiotikum nimmt, dann versucht es wegzulassen, aus welchem Grund auch immer und dann wieder nimmt, dann ist die Gefahr für solche Resistenzen viel größer, als wenn man dieses Antibiotikum längere Zeit und in entsprechend hoher Dosierung einnehmen würde.
Das Problem bei der Resistenz ist nicht das Antibiotikum, sondern das Problem sind die Erreger, die die Resistenz entwickeln, wenn sie nicht vollständig abgetötet werden.

Liebe Grüße
Carmen
Carmeli
 

Beitragvon heide am 06.07.2006, 07:33

ich habe frühern nie ein AB gebraucht, dann aber mit der Zeit immer öfters bis mein Arzt meinte das ich dauerhaft eines nehmen sollte. Dies tat ich dann auch, wobei es regelmäßig gewechselt wurde damit keine ressistenzen entstehen. aber irgendwann hat dann mein Magen auf alle AB angeschlagen und mir wurde trotz hohen Magenschutz übel. Somit hörte ich eine zeitlang auf und bekam nur noch die IV´s wobei ich sagen muss das mein zustand sich verschlechterte. Nun wo der magen etwas pause bekam und wieder besser ist, fange ich wieder an mit den AB und mir geht es auch dauerhaft wieder besser. Da nehm ic´h auch gerne mal ne Übelkeit am Morgen in kauf :-)))
heide
 

Beitragvon Esperanza am 06.07.2006, 14:11

Hi!

Anfangs hatte ich eine totale Abneigung gegen dauerhaftes AB und war auch der Meinung, dass es dann irgendwann nicht mehr wirken könnte, wenn es mir wirklich schlecht geht. Aber mittlerweile habe ich meine Meinung geändert, weil es mir immer wenige Tage nach dem Absetzen des AB wieder schlecht ging und ich es doch wieder nehmen musste. Mittlerweile nehmen ich seit 1 1/2 Jahren AB und mir geht es damit wesentlich besser als ohne.

Ich kann verstehen, dass du dich dagegen wehrst, wenn du dich so gut fühlst, aber auf lange Sicht, ist es besser, wenn du das AB nicht absetzt denke ich.
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Beitragvon Schlangenlady am 06.07.2006, 15:26

Hallo Heide,

nimmst Du die Antibiotika vor oder nach dem Essen? Cipro geht z.B. bei mir auf leeren Magen gar nicht, Cefuroxim dagegen problemlos.

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Beitragvon Sakura am 06.07.2006, 18:42

Hallo,

Zu dem Thema hätte ich dann auch mal eine Frage.
Ich war in den ersten 2 Jahren meiner Ausbildung sehr oft krank aufgrund psychischer Probleme. Ich war sehr anfällig hab mir ständig Keime eingefangen und sehr oft Antibiotika bekommen.
In den zwei Jahren fast aller 8-9 Wochen. Vorher hatte ich 2 mal im Jahr Antibiotika und seit dem 3. Jahr meiner Ausbildung (und auch jetzt während ich zu Hause bin), eben seit ich psychsisch stabil bin, brauche ich auch wieder nur halbjährlich Antibiotika.

Mein Problem ist nun, dass ich keine gute ärtzliche Betreuung hatte in der Zeit. Ich war bei einem Arzt, der mir prinzipiell erst das falsche Antibiotika aufgeschrieben hat (obwohl vorher gestetet wurde wegen sensibilität usw.). Also hab ich bei 80% der Therapien zwei mal Antibiotika hintereinander bekommen. Meist war es so, dass ich erst Tabletten hatte und nachdem dass das falsche war, habe ich eine IV hinterherbekommen.

Fragt bitte nicht, ich weiß nicht wie man trotz des Test soo oft daneben liegen kann... :evil:

Dadurch habe ich unmengen an Resistenzen aufgebaut...
Meine Hoffnung war nun, seit ich stabiler bin und nicht mehr so oft Antibiotika brauche, dass diese Resistenzen wieder zurück gehen.
Stehen die Chancen dafür gut?

LG, Tina
Sakura
 

Beitragvon Heischeisch am 06.07.2006, 19:24

Hi,

offensichtlich hat die Resistenzbildung für die Bakterien im Großen und Ganzen eher Nachteile, daher bilden sich Resistenzen langsam wieder zurück, wenn der antibiotische Druck wegfällt. Schließlich sind die PA's und Staphylokokken in der "freien Wildbahn" immer noch die gleichen wie eh und je, trotz aller Antibiotika. Gut, ich denke jetzt nicht an die Antibiotikaverfütterung im Mastbereich...

Übrigens ist die Sensibilitätsbestimmung und MHK-Bestimmung immer nur eine Richtung. Es gibt Fälle, in denen Antibiotika trotzdem wirken oder eben trotzdem nicht wirken... Ist halt alles nicht so einfach, wie man denkt.

Aber man sieht ja auch, so wie Du es beschreibst, spielt der Faktor "Einstellung", also das psychische Wohlbefinden eine sehr große Bedeutung.

Liebe Grüße
Roland
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Beitragvon Gast am 06.07.2006, 21:01

Hallo und erstmal vielen Dank für die zahlreichen Beiträge

Carmeli hat geschrieben:Hm, ich weiß ja nicht, was Du im Leben noch so vor hast


Eben drum will ich ja jetzt mit 18 Jahren noch nicht von AB abhängig werden, da ich noch viel vorhabe und mir die Medikamente für später aufheben will wenn es mir mal wirklich schlecht geht. Darum auch meine Frage ob es sich lohnt, weil ich ja nicht weiß ob sich die Lunge mit der Zeit auch ohne AB erholt. Besser wäre das bestimmt als mit AB denke ich mal...

Carmeli hat geschrieben:Wenn man mal ein paar Tage ein Antibiotikum nimmt, dann versucht es wegzulassen, aus welchem Grund auch immer und dann wieder nimmt, dann ist die Gefahr für solche Resistenzen viel größer, als wenn man dieses Antibiotikum längere Zeit und in entsprechend hoher Dosierung einnehmen würde.


Danke für den Beitrag. Weil so sehr bin ich in der Materie auch noch nicht bewandert :wink: deswegen habe ich solche Beiträge besonders gern, woraus man noch was lernt.

Heischeisch hat geschrieben:Ich nehme an, Du hast das nicht mit den Ärzten abgesprochen, oder doch?


Mein Arzt ist sogar davon überzeugt, dass wenn es mir gut geht, das AB abzusetzten. Was dabei rauskommt spüre ich ja gerade am eigenen Körper.

An all die anderen auch nochmals vielen Dank. Erfahrungsbeiträge sind meiner Meinung nach immer noch mit am Nützlichsten.

Gruß, Matthias
Gast
 

Beitragvon Carmeli am 06.07.2006, 21:29

... Medikamente für später aufheben will wenn es mir mal wirklich schlecht geht.


Hallo Matthias

Das Problem bei CF ist, dass man subjektiv oft nicht merkt, dass es einem schlecht geht. Es geht immer gut, es geht gut, wenn die FEV1 40% ist, es geht gut, wenn man Sauerstoff hat. Und wenn man es merkt, dass es nicht mehr gut geht, dann kann es sein, dass es zu spät ist.

Wie ist denn Deine FEV1 und Deine MEF25? Wenn die beiden 100% sind, dann geht es Dir wirklich gut.

Und noch etwas zum "Später". Du solltest jetzt und heute leben, was später ist, ist sehr sehr ungewiss.

Liebe Grüße
Carmen
Carmeli
 

Beitragvon anna am 10.07.2006, 21:01

nun moechte ich auch meinen senf dazu geben. ich habe zwei jahre lang zithromax genommen. die lungewerte haben sich in der zeit nicht gross veraendert. dafuer habe ich aber arge probleme mit pilzbefall gehabt. da vor dem zithromax meine lufu auch stabil war, habe ich in absprache mit dem arzt das zithromax wieder abgesetzt. das ist jetzt fast ein jahr her. bisher hat sich an meiner lungenfunktion nichts veraendert, toi toi toi. ich hatte gehofft, dass sich durch das absetzen auch meine sonnenueberempfindlichkeit zurueckbildet - aber das hat leider nicht geklappt.
das einzige ab was ich jetzt nehme ist colistin, als inhalation.

andererseits muss ich den anderen zustimmen - so ein absetzen sollte nur mit einverstaendnis des arztes gemacht werden. wenn dann allerdings deine gesundheit gleich so absackt, dann denke ich, ist das ein zeichen dafuer, doch so weiter zu machen wie bisher. gerade wenn du im leben noch viel vor hast...
anna
 


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