Frage zur Häufigkeit der Mukoviszidose

Hier haben alle Themen Platz, in denen es um CF geht, die aber in keines der anderen Foren passen oder von denen Du im Moment nicht weißt, wo Du sie unterbringen sollst.
Forumsregeln
In unserem Forum respektieren wir die Meinungsfreiheit jedes einzelnen Menschen genau dann in vollem Umfang, wenn er sich in einem gepflegten, den anderen Mitgliedern gegenüber respektvollen Umgangston artikuliert. Beleidigungen, Bedrohungen und Bloßstellungen eines Mitglieds sind strikt untersagt. Zum respektvollen Umgang miteinander gehört ebenso, kein anderes Mitglied absichtlich zu täuschen. Dies gilt auch beim Verfassen von Privaten Nachrichten oder E-Mails über das Forum.

Dieses Forum dient dem Erfahrungs- und Informationsaustausch über die Erkrankung Mukoviszidose, daher werden Beiträge ohne einen solchen Bezug gelöscht.

Eigene Beiträge können bis zu 24 Stunden nach Veröffentlichung bearbeitet werden.

Darüber hinaus behält sich der Mukoviszidose e.V. als verantwortlicher Betreiber des Forums vor, einzelne Beiträge oder auch ganze Themen ohne Begründung zu löschen oder zu schließen.

Vollständige Forumsregeln

Frage zur Häufigkeit der Mukoviszidose

Beitragvon Jenny am 26.03.2006, 12:47

Hallo
Ich wollt mal wissen warum die Krankheit unter der weißen Bevölkerung so verbreitet ist. Und bei den Asiaten und Afrikaner so selten.
Und bei den Schotten dabei die Wahrscheinlichkeit 1:500?
Würd mich sehr auf Antwort freuen.
Grüße Jenny
Jenny
 

Beitragvon nonadjustedalpha am 26.03.2006, 14:03

Jo, das evaluieren wir dann mal...

5% der Bevölkerung in Deutschland sind Träger, zwei Träger haben ein Kind haben mit höchstens ,0025% Wahrscheinlichkeit. VOn den Kindern zweier Träger haben 25% CF, macht unterm Strich eine Wahrscheinlichkeit von 0,000625 (1:1600) für ein Kind bei CF. Bei einer Bevölkerung von 80.000.000 in DEutschland müssten also ca. 50000 Menschen an CF erkankt sein bei gleicher Lebenserwartung. WEnn man nun annimmt, dass ein Cfler eine Lebenserwartung von rund 40% der Normalbevölkerung besitzt, sollte man also ca. 20000 Cfler in Deutschland antreffen, wenn das Alter in Deutschland gleichverteilt wär. Multipliziert man das ganze noch mit der Wahrscheinlich, dass ein Paar Kinder hat (p ist ca. .65, wenn die Kinderrate 1,3 Kinder pro Paar beträgt) kommt man auf einen Wert von 13000.
Tatsächlich gibt es in Deutschland aber, glaube ich, 8000 CFler, das heißt 61% der zu erwartenden Masse. Nun könnte man über die Gründe spekulieren:

1. Träger wittern sich auf Kilometer und vermeiden aufgrund von unbewusster evolutionsbiologischer Intelligenz deswegen öfters mal jedwede Form der Reproduzierung.
2. TRäger können öfters aus biologischen GRünden keine Kinder bekommen.
3. In Deutschland gibt es wesentlich mehr alte Menschen als junge Menschen.
4. Die Zahl weicht nur gerade zufällig ab.
5. Die Rundungen, die vorliegen, addieren sich nicht nur...
6. Meine Berechnungen sind falsch.
7. Alles zusammen.

Die Zahl, die dich interessiert hat (wahrscheinlich), Jenny, ist die Wahrscheinlichkeit unter der Bedingung,d ass ein Paar ein Kind bekommt, dass dieses Kind CF hat. Die liegt in Deutschland bei 1:1600 (meineserachtens).


Ahh, nonadjustedalpha in seinem Element...

Lg, Johannes
Zuletzt geändert von nonadjustedalpha am 26.03.2006, 14:42, insgesamt 2-mal geändert.
nonadjustedalpha
 

Beitragvon Gast am 26.03.2006, 14:37

Träger des CF-Gens zu sein scheint einen gewissen Vorteil geboten zu haben, nämlich eine bessere Überlebenschance bei Typhusepidemien.
Etwas Ähnliches gibt es bei der afrikanischen Bevölkerung: Träger des Sichelzellenanämiegens sind besser vor Malaria geschützt.
Möglicherweise kam Typhus eher in Europa vor, so daß hier vermehrt die Träger überlebten.

Uli,43
Gast
 

Beitragvon nonadjustedalpha am 26.03.2006, 14:39

:oops: Muss mich korrigieren. Die Wahrscheinlichkeit von .65 dafür, dass ein Paar ein Kind bekommt, ist natürlich Müll. Auf einen MEnschen kommen .65 Kinder, aber das ist ja was gaanz anderes...
in Wirklichkeit muss man die 20000 ja noch mit 1,3 mulitplizieren, weil jedes Paar 1,3 KInder bekommt, so dass am Ende eine 26000 steht, was die Diskrepanz noch größer macht. Dann muss aber noch die 11 mill Singles (Singles bekommen jetzt einfach mal keine Kinder) rausrechnen, die ca. ein viertel der Zeugungsfähigen PErsonen ausmachen.
Dann kommt man auf theoretische 19500 CFler.

Tja

Lg, Johannes
nonadjustedalpha
 

Beitragvon Gast am 26.03.2006, 14:57

Tatsächlich gibt es in Deutschland aber, glaube ich, 8000 CFler, das heißt 61% der zu erwartenden Masse.


@Hallo Johannes

Ja es gibt in Deutschland ca. 5000 CFler, die im Rahmen der Qualitätsicherung erfasst sind. Insgesamt sollen es ca. 8000 CF-Patienten sein. (noch die aus den nicht zertifizierten Ambulanzen und die CFler, die gar nicht in einem CF-Zentrum behandelt werden dazu addiert).

ABER: Es gibt eine große Dunkelziffer von CF-Patienten (die auf 4000 bis 6000 geschätzt wird), die CF haben, aber nicht auf diese Krankheit diagnsotiziert sind. Meist sind das Patienten mit milderem Verlauf. Sie laufen unter Diagnosen wie Asthma, COPD, Emphsem, Bronchiektasen, Zöliakie, Essstörung und Leberzirrhose unklarer Genese und Infertilität.


@Hallo Jenny
Um Deine Frage zu beantworten, muss man einen riesen großen Sprung um tausende Jahre zurück machen. Die beste Antwort auf Deine Frage erhälst Du, wenn Du ein Studium der menschlichen Entwicklung einschließlich Völkerwanderung vornimmst. Einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbreitung der CF hatten Kriege mit nachfolgenden Epidemien von Cholera, Thyphus. Auch spielt die unterschiedliche Ernährung der einzelnen Völker und Bevölkerungsgruppen eine nicht unbedeutende Rolle hinsichtlich des Überlebens der CF-Patienten und somit der Anzahl.

Zitat:"Genträger sind vor Typhus, Cholera und Salmonellen besser geschützt als ihre Mitmenschen. Dies ist vermutlich der Grund, warum das CFTR-Gen so häufig (ca. 5%) in der Bevölkerung vorhanden ist: Die Genträger haben Epidemien besser überlebt als Nicht-Genträger. Zwei Arbeiten (Harvard Medical Scholl, USA und englische Universitäten) belegen nun diese Vermutung:"

Zitat:"cf-Gen ist 50 000 Jahre alt....; Bertranpetit untersuchte cf-Familien in ganz Europa und entdeckte innerhalb des cf-Gens Delta F508 über 1000 Mutationen. Diese Vielfalt läßt darauf schließen, daß das Gen mindestens 2500 Generationen lang weitergereicht wurde. Aus seinen Analysen folgert er, daß sich das cf-Gen während der Einwanderungswellen Paläolithikum und Neolithikum in Europa verbreitet hat. Die Ärztezeitung berichtete
darüber am 29.09.95. "

Den gesamten Artikel kannst Dun unter: http://www.familie-kruip.de/html/cftr.html nachlesen.

Was die Menschen in Asien angeht, so tritt dort zwar die für uns so typische CF scheinbar nicht auf, aber man findet dort viele Patienten mit Bronchiolitis obliterans. Auch eine chronische Lungenerkrankung. Von diesem Patientengruppen hat man sich die heute in Deutschland verbreitete Anwendung von Zithromax als Dauerantibiotikatherapie zur Entzündungshemmung abgeschaut. Auch findet man in Asien eine nicht alzu kleine Gruppe mit Veränderungen im CFTR-Gen, die wir aber heute noch nicht als CFTR-Mutation sondern als angeblich nicht krank machende Variationen bezeichnen.
Letztendlich kann man nicht wirklich sagen, dass CF in Asien so selten ist. Vielleicht ist dort die Ausprägung nur eine andere. (Mein letzter Satz ist allerdings nur persönliche Spekulation).

Liebe Grüße
Carmen
Gast
 

Beitragvon Arwen am 02.04.2006, 21:49

Anonymous hat geschrieben:
Zitat:"Genträger sind vor Typhus, Cholera und Salmonellen besser geschützt als ihre Mitmenschen. Dies ist vermutlich der Grund, warum das CFTR-Gen so häufig (ca. 5%) in der Bevölkerung vorhanden ist: Die Genträger haben Epidemien besser überlebt als Nicht-Genträger. Zwei Arbeiten (Harvard Medical Scholl, USA und englische Universitäten) belegen nun diese Vermutung:"

Das heißt ja dann, dass die vielen Genträger, die es gibt evolutionstechnisch einen Vorteil hatten und die Menschen, die Krankheit aber bekamen auch ohne Seuchen kaum überlebten.

Ich verstehe die Evolution nicht, einerseits sind Genträger robuster, andererseits sterben die mit der Ausprägung früher. Wenn man es so weiterdenkt bleiben irgendwann nur Genträger über ... :?
Arwen
 

Beitragvon Tuppi am 02.04.2006, 21:55

Arwen hat geschrieben:Wenn man es so weiterdenkt bleiben irgendwann nur Genträger über ... :?


häää???????
Tuppi
 

Re: Frage zur Häufigkeit der Mukoviszidose

Beitragvon schurig am 03.04.2006, 08:26

Jenny hat geschrieben:Hallo
Ich wollt mal wissen warum die Krankheit unter der weißen Bevölkerung so verbreitet ist. Und bei den Asiaten und Afrikaner so selten.


Zwischen den Rassen besteht der Hauptunterschied in der Mutation DF508, die eben bei den Weissen sehr häufig ist, und bei den Asiaten und Afrikanern nicht vorkommt.

Schöne Grüße Michael
schurig
 
Beiträge: 565
Registriert: 16.02.2004, 14:48
Wohnort: Berlin

Beitragvon nonadjustedalpha am 03.04.2006, 10:06

@Arwen: Ja, ja, wenn das so wäre, gäb es weder die Bluterkrankheit noch hätte irgendwer Sichelzellen. Leider (eigentlich zum Glück) funktioniert das mit der Vererbung aber so, dass immer nur eine Allele (Träger des Gens) von einem Menschen vererbt wird. Somit stirbt ein Gendefekt, der rezessiv vererbt wird und beim Vorliegen nur in einer Allele Vorteile für den Träger bietet, nie aus...

Lg, Johannes
Zuletzt geändert von nonadjustedalpha am 12.05.2006, 22:19, insgesamt 1-mal geändert.
nonadjustedalpha
 

Beitragvon Gast am 03.04.2006, 17:44

Ich verstehe die Evolution nicht, einerseits sind Genträger robuster


Hallo Arwen

Naja, das Leben ist im ständigen Fluss. Alle müssen sich anpassen. Was früher gut war, ist heute schlecht.

Nehmen wir ein anderes Beispiel. Früher haben die Menschen größere Changen gehabt zu überleben, die schnell Fett angesetzt haben. Sie mussten nur wenig essen (meist gab es nur wenig) und hatten recht schnell gute Energiereserven.

Heute haben diese Menschen dagegen einen Nachteil. Dadurch, dass es ständig reichlich zum Essen gibt, werden diese Menschen fettsüchtig, erkranken am Diabetes bekommen schneller einen Herzinfarkt und sterben schneller, als die die weniger rasch Fett ansetzen.

Jede Lebenszeit bringt seine guten und schlechten Seiten hervor.

Gruß Carmen
Gast
 

Beitragvon Arwen am 06.04.2006, 19:16

@ Johannes
danke, schon verständlicher
Arwen
 

Beitragvon silvia am 08.05.2006, 13:11

Hallo ich bin auch selbst an CF erkrankt, habe aber einen gesunden Freund, wie stehen die Chancen dass ich überhaupt ein Kind bekommen kann? Wie stehen die Chancen dass ich ein Kind bekommen kann?
silvia
 

Beitragvon Heischeisch am 08.05.2006, 13:58

Hallo Silvia,

vielleicht solltest Du ein neues Thema dazu anlegen. Vielleicht verschieben die ModeratorInnen dieses Forums Deine Frage, da Du ja ein anderes Anliegen hast als die Frage nach der Häufigkeit der Mukoviszidose.

Die Chancen für eine erfolgreiche Schwangerschaft sind sicherlich von Deinem Gesundheitszustand abhängig. Hier sollte Dir auch Deine CF-Ambulanz bei einer Beurteilung behilflich sein.

Zu Deiner Frage habe ich außerdem ein paar Sachen gefunden, die bisher in diesem Forum und im muko.info-Expertenrat geschrieben wurden.

http://muko.info/phpBB2/viewtopic.php?t=207
http://muko.info/phpBB2/viewtopic.php?t=543

http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=186
http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=359
http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=432
http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=493
http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=607
http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=673
http://p5601.typo3server.info/expertenr ... p?edit=677

Liebe Grüße
Roland
Benutzeravatar
Heischeisch
 
Beiträge: 938
Registriert: 13.02.2004, 19:57
Wohnort: Idstein/Ts.

Beitragvon meldav am 08.05.2006, 18:25

silvia hat geschrieben:Hallo ich bin auch selbst an CF erkrankt, habe aber einen gesunden Freund, wie stehen die Chancen dass ich überhaupt ein Kind bekommen kann? Wie stehen die Chancen dass ich ein Kind bekommen kann?


Hallo Silvia,

ich hab auch CF und mein Mann ist gesund, jetzt hat er sich vor ein paar Monaten testen lassen, ob er Erbträger ist (dazu musste er sich grad kurz Blut abnehmen lassen). Zum Glück ist er kein Erbträger, das heißt, dass das Kind gesund (aber evtl. Erbträger) wäre. Aber es wird anscheinend nur auf die häufgsten Mutationen geprüft, dass heißt, dass es nur zu etwa 98% (oder so) sicher ist, dass er kein Erbträger ist. Liebe Grüße, Melanie
Benutzeravatar
meldav
 
Beiträge: 679
Registriert: 06.03.2006, 15:21
Wohnort: Weingarten (Baden)

Beitragvon Schlangenlady am 09.05.2006, 17:47

Hallo Meldav,

nur sicherheitshalber zur Klarstellung: wenn ein Elternteil cf hat, ist das Kind auf jeden Fall Erbträger...

Uli,43
Benutzeravatar
Schlangenlady
 
Beiträge: 2185
Registriert: 13.04.2006, 20:56
Wohnort: München


Zurück zu CF Allgemein

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron