Schwerbehindert, na und?

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Schwerbehindert, na und?

Beitragvon coldwillow am 17.01.2007, 20:58

Hallo,

ich schreibe im Namen meiner Frau. Sie hat durch die CF natürlich auch einen Schwerbehindertenausweis. Dies ist ihr heute zum Verhängnis geworden.

Sie ist gelernte Arzthelferin, derzeit arbeitet sie in einem großen Klinikum in Hannover. Dort ist es üblich nur Jahresverträge zu haben. Auch sie ist nach 4 1-Jahresverträgen im Juli dran und soll einen festen bekommen.

Heute aber die merkwürdige Nachricht des Personalsachbearbeiters, dass sie, weil sie einen Schwerbehindertenausweis hat, nicht mehr am Patienten arbeiten dürfte. Diesen Tip hat die Betriebsärztin von einem Kollegen erhalten und den Personalsachbearbeiter informiert. Eine kleine Welt ist zusammengebrochen.

Könnt ihr mir bitte sagen, ob das so rechtens ist? da es nicht ansteckend ist, kann ich leider keine Erklärung finden.
coldwillow
 

Beitragvon Schlangenlady am 18.01.2007, 08:56

Ich würde bei der Betriebsärztin nachfragen, worauf genau sie diese Meinung stützt.
Ein Blinder oder Tauber hat auch einen Schwerbehindertenausweis und kann trotzdem z.B. als Krankengymnast "am Patienten" arbeiten.
Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: denn als Schwerbehinderter kann ich - je nach Erkrankung - eventuell darauf bestehen, bestimmte Tätigkeiten nicht ausführen zu wollen/können.
Es könnte allerdings sein, daß der Arbeitgeber wegen seiner Fürsorgepflicht vermeiden will, daß sich Deine Frau durch engen Patientenkontakt möglicherweise mit etwas ansteckt, was für sie als CFlerin schlimmere Folgen haben könnte als für einen Gesunden.
Als ich nach längerer Krankheit als Beamtin zum Amtsarzt geschickt wurde, um meinen Gesundheitszustand zu beurteilen, hat der auch aus diesem Grund in seine Stellungnahme geschrieben, ich sollte nicht mehr im Parteiverkehr tätig werden...

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Beitragvon coldwillow am 18.01.2007, 09:02

hallo ulli,

danke für deinen beitrag. nur letztendlich muss es ja auch eine grundlage geben, die aussagt, dass man so etwas machen kann und darf.

ohne eine rücksprache mit ihr zu halten, finde ich es etwas merkwürdig.

werde heute wohl die grundlage erhalten und euch dann informieren.
coldwillow
 

Beitragvon DerMardin1979 am 18.01.2007, 09:12

Hallo,

meiner Meinung nach kann es teils begründet sein, teils auch net.
Ich kann mir denken, das die im Personalbüro wissen das Ihre Frau muko hat. Das kann dazu führen, da sie mit kranken Menschen arbeitet die Pateinten z.B. mit Pseudemonas anstecken kann oder sich selbst mit etwas, wie eine einfache Grippe. Das kann zu schwerwiegenden Folgen führen..sowohl für Ihre Frau als auch für die Patienten. Ich würde behaupten, dass die den Ausweis vorgezogen haben, um Ihre Frau nicht zu demotivieren und um nicht den wahren Grund die Krankheit nennen zu müssen. Ich hatte mich damals auch als Krankenpfleger beworben, die haben mich aus diesen Gründen nicht angenommen.

MfG

Mardin
DerMardin1979
 

Beitragvon Carmeli am 18.01.2007, 18:20

Hallo Coldwillow

Es kommt immer auf den Einzelfall an. Zum einen kommt es darauf an, auf was für einer Station man arbeitet. Nicht jede Station ist für CFler geeignet und es kann durchaus sein, dass man als CFler in so einem Beruf auch für manche Patienten ein Risiko darstellt, z.Bsp. wenn man multiresistente Keime oder sogar auch bereits wenn man einen normalen Pseudomonas hat. Letzteres wäre der Fall, wenn man pseudomonasfreie CFler betreut.
Hier hat die Betriebsärztin das Recht und auch die Pflicht entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Ein anderes Problem kann häufiges Fehlen durch die Krankheit sein.

@Mardin
Wenn man es nicht selbst in die Bewerbung hineinschreibt, dass man CF hat, weiß es die Personalabteilung nicht. Die Personalabteilung weiß nur, dass man einen Schwerbeschädigtenausweis besitzt, aber nicht weshalb.
Auch die Betriebsärzte haben gegenüber der Personalabteilung eine Schweigepflicht. In der Regel legen Betriebsärzte nur fest, ob die Stelle geeignet ist oder nicht und teilen diese Entscheidung der Personalstelle mit.

@Coldwillow
An Eurer Stelle würde ich mich einfach einmal bei der Betriebsärztin und auch in der CF-Ambulanz erkundigen.
Meistens erteilen Betriebsärzte besondere Auflagen, wie das Tragen von Mundschutz ect.

Liebe Grüße
Carmen
Carmeli
 

Beitragvon ernesto am 19.01.2007, 11:05

Hallo coldwillow,

die Einzelfallbezogenen Überlegungen u.a. von Carmen können schon eine Rolle spielen... aber deine Frage lässt ja erstmal auf eine solche Entscheidungsgrundlage nicht schließen... oder gibt es entsprechende Begründungen seitens der Personalabteilung?

Eine rein auf den Schwerbehinderten-status begründete Ablehnung kann ich mir echt nicht vorstellen!
Daher würde ich mir von den Zuständigen auch eine genaue, schriftliche Begründung geben lassen.

Das klingt mmn eher so, als würde da ein bequemer Weg gesucht...
lg ernesto
ernesto
 

Beitragvon Kobold am 19.01.2007, 11:16

Sollten sie dir bzw deiner Frau keine anständige Antwort geben koennen bzw ordenliche Bgruendung, kann ich dir nur sagen es gibt ein gleichstellungs Gesetz.(Deskreminierung Schwerbhinderter)Daran sollte man sie dran erinnern.Wenn sie dies hören wirst du merken das kein Wort mehr fallen wird.
Kobold
 

Beitragvon Carmeli am 19.01.2007, 19:06

Noch eine kurze Anmerkung.

Es gibt in jedem "Betrieb" einen Schwerbeschädigtenverantwortlichen bzw. Gleichstellungsbeauftragten. An den solltet Ihr Euch einmal wenden.

LG
Carmen
Carmeli
 

Beitragvon Tese am 20.01.2007, 12:04

Nicht jede Station ist für CFler geeignet und es kann durchaus sein, dass man als CFler in so einem Beruf auch für manche Patienten ein Risiko darstellt,


Welche wären dass zb?Also außer die Cfler Betreuung?Intensiv ja dann auch oder?Also wenn man zb. einen MRSA hat?
Ich frag mich nur,was ist,wenn ein nicht cfhabender Arzt,einen MRSA hat,und der wird ja meistens nicht bemerkt,und wenn der dann auf der ITS arbeitet,was dann eigentlich ist?

LG Tese
Tese
 

Beitragvon Carmeli am 20.01.2007, 13:40

Hallo Tese

Wenn man feststellt, dass ein Arzt oder eine Schwester bzw. ein Pfleger MRSA hat, dann wird meist mit Turixim-Salbe behandelt.
Da medizinisches Personal aber nicht regelmäßig auf Keime untersucht wird (ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich) wird man die Erreger oft nicht feststellen.

Der Unterschied zwischem dem gesunden Personal mit Keim und dem CFler mit Keim ist, dass der CFler meist oft Antibiotika einnimmt und dann auch unterschiedlich viele Resistenzen hat. Das ist bei Gesunden Keimträgern nicht der Fall.
Auch der Husten bei CF dient einer schnelleren Keimübertragung, als es bei Gesunden der Fall ist.

Demzufolge muss man auch unterscheiden zwischen CFlern, die sehr viel Husten und solchen, die kaum husten.

Stationen, die für medizinisches Personal mit CF eher ungünstig sind:
- Lungenabteilungen
- Intensivstationen
- Infektionsstationen
- Kinderstationen
- onkologische Bereiche, insbesondere mit Hochdosischemotherapie
- chirurgische Bereiche

Aber man muss das immer individuell betrachten. Und unter gewissen Umständen muss man halt besondere hygienische Maßnahmen einhalten.
Für sich selbst muss man einen Weg finden, um mit dem Infektionsrisiko zu leben. Denn gerade in diesen Bereichen kann man sich komplizierte Erreger einfangen, die dann auch zum Ende der beruflichen Karriere führen können.

Liebe Grüße
Carmen
Carmeli
 


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