Arbeit und CF

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Beitragvon Heischeisch am 19.12.2006, 21:01

Carmeli hat geschrieben:Aber leider sieht die Realität bei CF anders aus. Viele junge Erwachsene sind berentet oder arbeitslos. Ein großes Problem.

Und das, obwohl die Bildung von CFler/innen durchschnittlich viel höher ist. Die derzeitige Realität ist eben doch noch eher vom sozialen Status des Elternhauses geprägt, würde ich sagen. Der Bildungsstand der CFler/innen ist noch nicht der ausschlaggebende Punkt, wird es aber natürlich zunehmend werden. Allerdings ist das alles "nur" statistisch relevant, wie immer muss es für den Einzelfall nicht zutreffen. Der soziale Status des Elternhauses kann manchmal nicht verhindern, dass das Kind noch in relativ jungen Jahren große Probleme mit der CF bekommt, zum Beispiel weil sich hinter besagtem Status ein borniertes Verhalten der Eltern verbirgt. Umgekehrt kann es durchaus sein, dass ein Kind einer Arbeiterfamilie überaus gut mit seiner CF klarkommt, eben vielleicht, weil die Eltern soziale Kompetenz mitbringen, was nunmal auch entscheidend ist für den Outcome.

Liebe Grüße
Roland
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Beitragvon Carmeli am 19.12.2006, 22:49

quote="Heischeisch
Und das, obwohl die Bildung von CFler/innen durchschnittlich viel höher ist.


Ist sie wirklich durchschnittlich VIEL höher? =D>

Die derzeitige Realität ist eben doch noch eher vom sozialen Status des Elternhauses geprägt, würde ich sagen.


Das ist aber doch bei jedem Kind so.

Der Bildungsstand der CFler/innen ist noch nicht der ausschlaggebende Punkt, wird es aber natürlich zunehmend werden.


Wieso ist das noch nicht der ausschlaggebende Punkt? Wir leben heute hier und jetzt.

Allerdings ist das alles "nur" statistisch relevant, wie immer muss es für den Einzelfall nicht zutreffen. Der soziale Status des Elternhauses kann manchmal nicht verhindern, dass das Kind noch in relativ jungen Jahren große Probleme mit der CF bekommt,


Sicherlich hast Du Recht, ABER: Es ist nun eben mal so, dass man mit einer guten Bildung bzw. mit einem guten Abschluss eher eine Change auf dem Arbeitsmarkt hat, als mit einem schlechten Abschluss. Und wenn jemand einen guten Job hat, dann kann er es sich eben leisten, jährlich zusätzlich zur REHA noch zweimal im Jahr in den Urlaub zu fahren, dorthin, wo es seiner Lunge gut tut. Und wenn jemand in seinem Job gut ist, dann ist es für den Arbeitgeber nicht wesentlich, ob er einmal jedes Jahr für 3 bis 4 Wochen ausfällt, weil er zur REHA fährt, aber dafür dann für den Rest des Jahres super seinen Man oder seine Frau steht.

Wenn dagegen jemand einen Job hat, den er nicht mag, dann wird er häufiger krank sein, er wird öfter fehlen und irgendwann wird er dann wegen seiner Krankheit entlassen und wird arbeitslos. Mit Harz IV ist kein Jahresurlaub mehr drin. Und oft führt dann der Weg nur noch in die Berentung. Als Rentner eine REHA zu bekommen ist ebenfalls schwierigen, als für jemanden, der einen festen Job hat.
Ständige finanzielle Probleme stellen eine zusätzliche psychische Belastung dar und beeinträchtigen zusätzlich den Krankheitsverlauf.

Es ist auch so, dass Leute mit höherem Bildungsniveau besser über ihre Erkrankung bescheid wissen, weil sie sich darüber informieren und die Dinge besser für sich nutzen.

LG
Carmen
Carmeli
 

Beitragvon Ibu-Junkie am 20.12.2006, 09:09

Schlangenlady hat geschrieben:Aber mich würde ehrlich gesagt interessieren, was Du und Carmen als Ärzte einem Patienten raten würdet, der mit Eurer Lufu, Allgemeinzustand, Sauerstoff etc. zu Euch kommen würde....
Also meine Ärzte hatten mir alle schon länger geraten, mit dem Arbeiten aufzuhören und ich habe bei Euch schon auch ein bißchen das Gefühl, daß Ihr in Eurem eigenen Fall der Realität auch nicht so ganz ins Auge blicken wollt... :wink:
Uli,44


Hi Uli,
danke für den Wink mit dem Zaunpfahl...
Also, weil Ärzte alle ein Helfersyndrom haben, arbeiten sie bis zum Umfallen :roll:
Im Ernst, um Jemanden als Arzt in einer von Dir beschriebenen Situation kompetent beraten zu können, sollte man bereits ein Stück Wegs miteinander gegangen sein. Wenn ein Zustand "auf niedrigem Niveau" über Jahre stabil ist, wird man anders beurteilen, als bei einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustands durch einen progressiven Krankheitsverlauf.
Ich bin dankbar, daß bei mir ersteres der Fall sein darf.
Gruß,
JB
Ibu-Junkie
 

Beitragvon Carmeli am 20.12.2006, 20:01

Aber mich würde ehrlich gesagt interessieren, was Du und Carmen als Ärzte einem Patienten raten würdet, der mit Eurer Lufu, Allgemeinzustand, Sauerstoff etc. zu Euch kommen würde....


Hallo Uli

Mit dem Raten ist das ja immer so eine Sache. Wenn ein Patient direkt fragt, ob er sich berenten lassen soll oder nicht, dann kann man davon ausgehen, dass er sich bereits mit dem Thema auseinander gesetzt hat und sich körperlich nicht mehr fit genug für seinen Job fühlt. Und dann wird er seine Vorstellungen einbringen.
In diesem Fall würde ich ihn bei seiner Wahl unterstützen.

Nun ist es aber so, dass subjektives Befinden (Empfinden des Patienten) und objektive Befunde (Meßwerte des Arztes) nicht immer überein stimmen.
Wenn nun jemand mit einer FEV1 von 35%, Sauerstoff über Nacht und bei Belastung sich subjektiv gut fühlt und mit Spaß und Freude seinem Job nachgeht, dann kann es schädlich sein, wenn man ihn bedrängt, dass er sich berenten lassen soll. In so einem Fall kann es vielleicht hilfreich sein, es anzusprechen, zumal wenn er vielleicht durch den Job nicht genügend Zeit für die Therapie hat. Aber die Entscheidung liegt bei dem Jenigen selbst. Letztendlich gibt man als Arzt ja eigentlich nur Empfehlungen ab, zumindestens sehe ich das so. Ganz wichtig ist es, gemeinsam mit dem CFler einen Weg zu finden, dass er Job und Therapie gut in Einklang miteinander bringen kann.

Und beim "Raten mit dem Arbeiten aufzuhören" spielt es auch eine Rolle, welchen Beruf jemand ausübt. Man wird eher einem CFler raten mit dem Arbeiten aufzuhören,der in Staub und Dreck arbeitet, als einem, der in einem ruhigen Büro sitzt.

Also meine Ärzte hatten mir alle schon länger geraten, mit dem Arbeiten aufzuhören und ich habe bei Euch schon auch ein bißchen das Gefühl, daß Ihr in Eurem eigenen Fall der Realität auch nicht so ganz ins Auge blicken wollt...


Was die Realität betrifft, so blickt man ihr schon ins Auge. Aber das tut man nicht nur damit, dass man sich berenten lässt.
Es gibt Leute, die werden durch ihren Job auch am Leben erhalten.

Wichtig ist nur, dass man einen Weg findet, um sein Leben mit der Krankheit in Einklang zu bringen.

Und für mich heißt eine schlechte Lufu bzw. Sauerstoff eben noch nicht Rente, sondern noch einmal Gas geben, um das was noch ist, zu nutzen und nicht zu vergeuden. Denn wer weiß, wie lange das Ganze noch hält. Vielleicht 1 Jahr oder vielleicht auch 2 Jahre. Das ist die Realität.

Jeder muss für sich entscheiden, wie aktiv er leben möchte. Auch denke ich, dass es für alles einen richtigen Zeitpunkt gibt.

Das Wichtigste im Leben ist, dass man glücklich ist. Und glücklich wird man nur, wenn man seine Ziele erreicht. Und im Berufsleben (wenn der Job Spaß macht) ist diese Change glücklich zu werden erfahrungsgemäß größer, als als Rentner.

Liebe Grüße
Carmen
Carmeli
 

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