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Kinderwunsch

BeitragVerfasst: 19.03.2006, 15:58
von Mukomaus
Hallo !

Die Frage geht vorallem an die weiblichen Betroffenen die hier im Forum herumschwirren. Ich (17) habe einen extremen Kinderwunsch. Schon als ich klein war wünschte ich mir später Kinder zu bekommen. Gesundheitlich geht es mir zurzeit sehr gut und auch in der Liebe könnte es nicht besser sein. Der Wunsch nach einem Baby ist so groß das sich mein Herz und mein Verstand schon in die "Haare" bekommen. Ich bin mir bewusst das ich noch sehr jung bin aber der Wunsch der sich in meinem Unterbewusstsein ausbreitet ist einfach zu groß.
Kennt jemand von euch das Gefühl ? Oder kann mir jemand helfen meine Gefühle und mein Verstand wieder zur Vernunft bekommen.

Ich hab einfach Angst später auf Grund der Mukoviszidose keine Kinder mehr bekommen zu können und auch viel zu krank zu sein um für so ein kleines Geschöpf zu sorgen...

Lg Mukomaus

BeitragVerfasst: 19.03.2006, 20:01
von Jess
Hallo Mukomaus!

Ich denke mal über das Thema kann man sich sicherlich streiten oder mehrere Punkte für ein Pro und Contra zusammen bekommen.

Natürlich ist es schön, dass es Dir gesundheitlich so gut geht und das Du den Wunsch nach Kindern hast kann ich gut nachvollziehn. In Deinem Alter habe ich auch noch so gedacht. *grins* Natürlich sollten gewisse Grundlagen vorhanden sein. Du sagst in der Liebe könnte es nicht besser laufen, das ist sehr schön und einer der wichtigen Punkte, finde ich jedenfalls. ;-)

Du bist wirklich noch sehr jung. Aber ob es unbedingt immer mit dem Alter zu tun haben muss, da kann man sich ebenfalls drüber streiten *lach*

Ich persönlich bin froh, dass ich damals kein Kind bekommen habe, obwohl ich selbst immer den Wunsch hatte zwei zu bekommen. Dachte mir aber, das eine gesunde Grundlage wie Beruf und Geld zu schaffen, erst einmal Vorrang haben. Jetzt mit 26 habe ich zwar schulisch und beruflich alles geschaft aber mit der Lunge ging es immer mehr Berg ab. Nun steht ich auf der Liste für eine neue Lunge und bin erleichtert, dass ich kein kleines Würmchen habe um das ich mich kümmern muss. Natürlich bin ich happy, dass meine Schwester zwei hat, aber die beiden sind jetzt auch in einem Alter in dem sie nicht mehr weglaufen oder sonstiges, was kleine Kids gern tun. Ich weiss auch nicht, ob ich es unbedingt provozieren möchte, dass mein Kind auch CF hat, denn ich bin der Meinung mit all den Keimen und Infekten die man in den Jahren angesammelt hat weiss man zu genau, was auf das Kind zukommen würde. Natürlich gibt es verschiedene Verläufe der Krankheit, aber am Ende läuft es immer auf das Gleiche hinaus.

In der heutigen Zeit denke ich mir auch, kann man sich dem Mann an seiner Seite auch nicht unbedingt 100% sicher sein, das kann niemand, nicht mal ein gesunder und wie soll das aussehen wenn es Dir selbst schlecht geht und Dein Partner dann sagt, er schafft das alles nicht. Dann stehst Du am Ende mit dem Kind allein da und die Gesundheit bleibt auf der Strecke. Ich denke mal es ist eine grössere Überlegung wenn man nicht gesund ist, denn es sollten alle Punkte noch gründlicher bedacht werden. Ich würde niemandem reinreden... es ist ja wirklich jedem selbst überlassen.

Ich persönlich bin aber auch der Ansicht, dass ein Kind eher ohne Vater leben kann als ohne Mutter. Natürlich kann man dies auch nicht verallgemeinern, aber wenn ich als Mutter schon weiss, dass ich nicht gesund bin und mein Kind irgendwann darunter leiden MUSS, überlege ich es mir lieber dreimal gründlich als einmal zu wenig!

Ich denke auch, das die Therapie so viel Zeit in Anspruch nimmt, ob da ein Kind nicht eventuell einmal zu kurz kommt. Sicherlich kommt es immer auf die Schwere der CF an, aber vorhersehbar ist da leider auch nichts.

Ich möchte Dir hiermit jetzt nicht den Wind aus den Segeln nehmen, sondern nur meine Meinung äussern. Ich weiss, dass es viele anders sehen. Aber einen wichtigen Punkt finde ich... wenn ich ein Kind auf die Welt setze und schon im Hinterkopf habe, was ich ihm mit der Krankheit CF, die es von meiner Seite auf jeden Fall erbt, mit auf den Weg gebe, ob ich dies wirklich mit mir selbst verantworten/vereinbaren kann. Für zwei gesunde Elternteile ist es ja schon ein Hürdenlauf.

Lieben Gruß
Jess

BeitragVerfasst: 19.03.2006, 21:04
von sven
Man sollte sich auch immer fragen, ob man auch für eine finanzielle Sicherheit sorgen kann, wenn man denn mal nicht in der Lage sich zu kümmern bzw. Tod ist. Mag zwar makaber klingen, aber wenn man schon nicht mehr da ist, sollte wenigstens für die Zukunft des Kindes sorgen...

BeitragVerfasst: 19.03.2006, 21:26
von Hexi
sven hat geschrieben:Man sollte sich auch immer fragen, ob man auch für eine finanzielle Sicherheit sorgen kann, wenn man denn mal nicht in der Lage sich zu kümmern bzw. Tod ist. Mag zwar makaber klingen, aber wenn man schon nicht mehr da ist, sollte wenigstens für die Zukunft des Kindes sorgen...


Naja ... Stimmt an sich, aber kann das denn ein "Gesunder"? Wenns danach gänge dürfte keiner mehr Kinder in die Welt setzen ...
Ich selber (habe keine CF; dafür aber mein Schatz) habe auch einen Kinderwunsch, der aber unerfüllt bleiben wird, da das dank Gesundheitsreform leider nicht mehr finanzierbar ist für Normalverdiener :(

Liebe Grüße

Hexi

BeitragVerfasst: 19.03.2006, 21:38
von Joui
also ich kenn selbst ne cf-lerin die zwei kinder hat.
glaub nich dass die das bereut! und an sterben und so würd ich am besten auch erst gar net denken...

BeitragVerfasst: 20.03.2006, 08:41
von Ann
Hallo Mukomaus,

Jessies Beitrag ist eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen aber auch ich kann dich gut verstehen, hätte selbst gerne Kinder. Warte einfach noch ein paar Jahre (17 ist sooo früh ;) ) und guck, wie es dir später gesundheitlich und beruflich geht. Ich dachte immer, gesundheitlich wär es bei mir noch ok, habe aber erst kürzlich von ärztlicher Seite das absolute "No" bekommen. Ich habe mir jetzt überlegt eventuell ein oder zwei Pflegekinder aufzunehmen, wenn ich mit meinem Studium durch bin und es gesundheitlich zu schaffen ist. Es müssen ja keine eigenen Kids sein.

Herzliche Grüsse, Ann-Christin

BeitragVerfasst: 20.03.2006, 08:43
von sven
Hexi hat geschrieben:
sven hat geschrieben:Man sollte sich auch immer fragen, ob man auch für eine finanzielle Sicherheit sorgen kann, wenn man denn mal nicht in der Lage sich zu kümmern bzw. Tod ist. Mag zwar makaber klingen, aber wenn man schon nicht mehr da ist, sollte wenigstens für die Zukunft des Kindes sorgen...

Naja ... Stimmt an sich, aber kann das denn ein "Gesunder"? Wenns danach gänge dürfte keiner mehr Kinder in die Welt setzen ...

Ein Gesunder kann zumindest eine Lebensversicherung abschliessen, die dann wenigstens den finanziellen Teil absichert...
Ich selber (habe keine CF; dafür aber mein Schatz) habe auch einen Kinderwunsch, der aber unerfüllt bleiben wird, da das dank Gesundheitsreform leider nicht mehr finanzierbar ist für Normalverdiener :(

Vielleicht bin ich bisschen blöd, erklär mal.

Sven

BeitragVerfasst: 20.03.2006, 08:45
von sven
Joui hat geschrieben:also ich kenn selbst ne cf-lerin die zwei kinder hat.
glaub nich dass die das bereut! und an sterben und so würd ich am besten auch erst gar net denken...

Bereut hätte ich eigene Kinder auch nicht...aber was ist eben im Fall der Fälle?

BeitragVerfasst: 20.03.2006, 14:43
von Hexi
sven hat geschrieben:Ein Gesunder kann zumindest eine Lebensversicherung abschliessen, die dann wenigstens den finanziellen Teil absichert...
Ich selber (habe keine CF; dafür aber mein Schatz) habe auch einen Kinderwunsch, der aber unerfüllt bleiben wird, da das dank Gesundheitsreform leider nicht mehr finanzierbar ist für Normalverdiener :(

Vielleicht bin ich bisschen blöd, erklär mal.

Sven


Mein Schatz hat eine Unfallversicherung ohne Gesundheitsprüfung, die zahlt im Todesfall auch.
Zur zweiten Sache: da Männer mit CF in der Regel zeugungsunfähig sind muß man mit ärztlicher Hilfe ran. Und da zahlt man für die ersten 3 Versuche 50% selber, danach zahlt man alles selbst. Ein Versuch kostet ca 6000 Euro. Und in den seltensten Fällen klappts während der ersten 3 Versuche (die ja trotzdem je 3000 euro kosten). Das ist bei unserem Einkommen der Genickbruch für die Familienplanung, das können wir uns einfach nicht leisten.

Liebe Grüße

Hexi

BeitragVerfasst: 20.03.2006, 15:34
von Jess
Hallo zusammen,

ja das hört sich auch alles sehr Kostenspielig an und da fragt man sich doch... warum das wohl von Natur aus so ein soll?!

Es gibt ja auch viele CF Frauen die keine Kinder bekommen können und ich denke mir persönlich, dass alles sowas seine Gründe hat, warum die Natur dies so auslegt.

Was die Kosten angeht, so ist es für keinen heut zu Tage mehr günstig Kinder in die Welt zu setzten und wenn ich bedenke was in der Welt da draussen so los ist, würde ich selbst als Gesunder gut darüber nachdenken, denn eine wirklich Sorgenlose Zukunft werden die Kinder von Heute nicht mehr haben ;-P

Gruss

BeitragVerfasst: 21.03.2006, 01:30
von Bob
Jess hat geschrieben:
Es gibt ja auch viele CF Frauen die keine Kinder bekommen können und ich denke mir persönlich, dass alles sowas seine Gründe hat, warum die Natur dies so auslegt.





Da muss ich Dir absolut recht geben. Bin auch der Meinung das es eher "positiv" ist das man mit der Krankheit keine Kinder zeugen kann.
Ich für meinen Teil würde es verantwortungslos finden ein Kind in die Welt zu setzt, wenn man im Vornherein schon weiß das man es vielleicht oder eher sicher nicht groß ziehen kann. Sprich der andere Elternteil irgendwann alleine da sitzt. Klar kann es auch einer gesunden Familien passieren, dass ein Elternteil plötzlich stirbt und es dann nur noch von einer Person groß gezogen wird. Denk das Thema ist aber auch schwer zu Diskutieren da es hier wohl "verständlicherweise" große Meinung´s Unterschiede gibt.

Das ist zumindest mal meine dazu !

BeitragVerfasst: 21.03.2006, 12:59
von Hexi
Naja, wenn man denn so denkt, sollte besser überhaupt niemand mehr Kinder in die Welt setzen. Man könnte auch Krebs bekommen, oder irgendwas anderes, oder vom Bus überfahren werden. Ich halte das für überzogen, wer sich ein Kind wünscht sollte auch die Möglichkeit bekommen eins zu haben. Was die Natur angeht, die will bei jedem 5. Paar in DTL nicht so wie sie soll, aus den unterschiedlichsten Gründen ... Wenn die Leute alle aufgrund dieses Gedankens einfach keine Kinder haben würden gäbs davon noch weniger als ohnehin schon. Wie viele Alleinerziehende gibt es? Die Kinder wachsen auch meist mit nur einem Elternteil auf. C'est la vie.

Liebe Grüße

Hexi (für die das Thema damit beendet ist, weil es mich nur unnötig runterzieht)

BeitragVerfasst: 21.03.2006, 22:37
von Bob
ich bleib dabei, das Thema zieht nicht runter, sondern unterscheidet zwischen zwei harten Fronten !! Diejenigen die es negativ sehen wollen, sehen es negativ !! Alle andere sehen es eher offen und verfolgen es mit sehr viel Interesse !

BeitragVerfasst: 21.03.2006, 23:39
von Johannes
Ich finde es seltsam, dass hier einfach so gesagt wurde "warte einfach noch ein paar Jährchen". Ich meine, gerade bei CF kann man ja nicht einfach mal so ein paar Jährchen warten, weil man möglicherweise diese paar Jährchen gar nicht hat. Mit ner Lufu von 60% ist eine Schwangerschaft vielleicht nicht mehr so angebracht. Wann, wenn nicht also gerade dann, wenn es einem gesundheitlich noch optimal geht, der Partner mitmacht (in vollem Bewusstsein der kommenden Verantwortung), man noch die CHance hat sein Kind großzuziehen?

Zugegeben 17 ist früh, aber wenn die Rahmenbedingungen stimmen (dazu gehört meineserachtens ganz besonders, dass die Familie hinter einem steht, so dass man nicht alleine als junges Paar davor steht), warum nicht?

Im nachhinein sind solche Entscheidungen immer richtig, ich glaube, die wenigsten Menschen bereuen ein Kind zu haben (wir sind ja nicht in der Gretchentragödie...), genauso findet man im nachhinein auch meistens Gründe, warum sein Leben so besser war.

Ähh, was ich sagen wollte: Horch in dich hinein, Mukomaus, und dann...wie es euch gefällt und was ihr wollt. Am Ende ist alles, was wir hier schreiben, viel Lärm um nichts...

Lg,
ein dramatischer Johannes

(Gut gebrüllt Löwe...)

BeitragVerfasst: 22.03.2006, 01:46
von Gast
Ich frage mich, ob man mit 17 ganz allgemein wirklich schon abschätzen kann, was mit einem Kind auf einen zukommt, von der finanziellen Seite (ohne Ausbildung?) mal ganz abgesehen. Man muss damit rechnen, keine Nacht mehr ruhig schlafen zu können, tagsüber auch keine freie Minute zu haben, was ist, wenn es ein "Schreikind" ist oder irgendeine Krankheit hat, usw.
Selbst Gesunde haben da schon Probleme...
Bei cf kommt dann noch so einiges dazu:
- was macht man während Schwangerschaft und Stillzeit mit der medikamentösen Therapie wegen evtl. Probleme fürs Kind
-wie soll man während der Therapie (Inhalieren, Physio,IV) ein schreiendes Kleinkind bändigen, dazu noch einen Haushalt organisieren, gesund kochen fürs Kind, kalorienreich für einen selbst etc.
-schaden die "Dämpfe" vom Inhalieren evtl. der Lunge des (gesunden)Kindes
-was ist während Klinikaufenthalten
-schadet man seiner eigenen Gesundheit, weil Stress und Belastung einfach zu gross sind
- schaffe ichs, ständig ein Baby/Kleinkind zu schleppen plus Kinderwagen, wenn die Luft bei mir allein schon knapp wird
-und später: wie fühlt sich das Kind, wenn ich krank bin und es immer wieder mitkriegt, wie schlecht es der Mutter geht, daß sie evtl. sogar bald stirbt?

Empfehlenswert wäre sicher ein Praktikum im Kindergarten oder in einer Kinderklinik, um mal einigermaßen einen Eindruck von der "Nervenbelastung" zu bekommen, denn oft ist die Vorstellung einer "eigenen glücklichen Kleinfamilie" nicht sehr wirklichkeitsnah.
Wie es auf Dauer mit der Liebe aussieht, sollte man meines Erachtens auch erstmal beim Zusammenziehen testen:Hilft "er" im Haushalt, kommt man mit dem vorhandenen Geld aus, bleibt davon etwas übrig, ist man sich über grundsätzliche Fragen einig, geht man sich bei mehr Nähe nicht auf den Wecker usw.

Uli,43