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Ausbildung im Berufsbildungswerk

BeitragVerfasst: 03.04.2005, 17:47
von Jana
Hi,

im Arbeitsamt hat mir meine Berufberaterin empfohlen, nach meinen Schulabschluss eine Ausbildung in einen Berufsbildungswerk zu machen.
Würdet ihr mir so eine Ausbildungsvariante empfehlen oder sollte ich eher eine "normale" Ausbildung machen? Hat vielleicht jemand Erfahrungen in einen Berufsbildungswerk gemacht?

Gruß Jana

Für alle die vielleicht nicht wissen was das ist, wusst ich vorher auch nicht, ein Berufsbildungswerk ist eine Art Internat mit ärztlicher Betreuung, KG und vielen Freizeitangeboten, wo man halt als Behinderter eine Ausbildung machen kann.

BeitragVerfasst: 03.04.2005, 20:44
von Gast
Hi,
ich würde sagen, das kommt auf Deinen Gesundheitszustand an. Ich habe nach dem Abi 3 Jahre die Beamtenfachhochschule besucht (dabei macht man auch ausgiebige Praktika), mein Diplom gemacht und arbeite seither Vollzeit bei der Stadtverwaltung. Damals war ich gesundheitlich eigentlich ziemlich fit und erst seit 2-3 Jahren bin ich oft krank( ich bin jetzt 42, mein Abi war 1981).
Alles Gute

Uli

BeitragVerfasst: 04.04.2005, 13:21
von Jana
Hallo,

mein Gesundheitszustand, Selbsteinschätzung = sehr gut. :)
Aber so gut ist er halt dann doch nicht. Zur Zeit versage ich nach 3 km Rad fahren. Hab aber vor das zu bessern.
Bin leider zu Zeit sehr faul, und habe halt meinen ganzen Schulstress weil die ganzen Abschlussarbeiten arbeiten laufen.

Das Problem ist halt bei den Bewerbungen, schreibt man Muko rein, wird man wieso nicht angenommen. Mein Nachbar der solche Bewerbungsschreiben sich anschaut meint: "Leute mit Behinderungen sortiere ich im vorderrein aus!" :( Das lässt meine Chancen halt sehr, sehr tief sinken. Okay, man soll ja immer posetiv denken! Öffentliche Einrichtungen, wie Rathaus und so müssen ja annehmen. Möchte aber lieber aktiver sein.

Vielleicht sollte ich den "Tipp" von meiner Berufsberaterin annehmen???
Ich weiß einfach nicht. Fürs Abi, bin ich ja leider zu dumm. :D
Sonst würde ich das machen.

Gruß Jana

BeitragVerfasst: 04.04.2005, 19:48
von Gast
Hi,

was verstehst Du denn unter "aktiver sein"?
Gerade im öffentlichen Dienst gibt es eigentlich ziemlich viel Auswahl, jedenfalls bei größeren Städten. Wenn Du Dir z.B. unter http://www.muenchen.de die Ausbildungsmöglichkeiten ansiehst, da sind handwerkliche Berufe oder Tourismus auch vertreten. Auch bei einer Verwaltungsausbildung gibts später verschiedene Möglichkeiten, z.B. bei Bezirksinspektionen Gaststätten kontrollieren oder beim Verbraucherschutz Lebensmittel, Heimaufsicht, Sozialamt mit viel Publikumsverkehr,Sozialdienst etc.. Und wie Du schon erwähnt hast, hast Du im öffentlichen Dienst auch mit Schwerbehindertenausweis gute Chancen.

Uli

BeitragVerfasst: 04.04.2005, 22:31
von cr
Hallo Jana,
man muss nicht in die Bewerbung hineineschreiben, dass man CF hat. Du musst in der Bewerbung nicht einmal erwähnen, dass Du schwerbehindert bist. Lass es doch einfach weg. So hast, Du bzw. der Arbeitgeber erst einmal die Change, ihn bzw. er dich kennen zu lernen.

Wenn Du dann einen Termin zum Vorstellungsgespräch erhälst, dann kannst Du es immer noch sagen. Nicht am Anfang und nicht zum Schluss, (sagt man es am Anfang, dann sieht es so aus, als ist es einem das Wichtigste, und am Ende, dann bleibt es als Letztes hängen), am Besten ist zwischendrin so ganz nebenbei. :wink:
Und selbst dann musst Du auch nicht von selbst erzählen, dass Du Mukoviszidose hast, sondern nur dass Du schwerbeschädigt bist. Es sei es fragt, jemand explizit dannach, warum Du schwerbehindert bist, aber das ist nicht zwangsläufig der Fall.

Gruß Carmen

BeitragVerfasst: 07.04.2005, 17:24
von Esperanza
Jana hat geschrieben:Das Problem ist halt bei den Bewerbungen, schreibt man Muko rein, wird man wieso nicht angenommen.


So negativ habe ich damals auch gedacht, aber das ist nicht der Fall, zumindest war es bei mir ganz leicht. Ok, ich habe mich auch gleich von vorne herein aus diesem Grund im öffentlichen Dienst beworben, allerdings müssen die einen genauso wenig annehmen, wie in der freien Wirtschaft, nur dort werden Leute mit Behinderung nicht sofort aussortiert. Ich habe gleich in die Bewerbungsunterlagen eine Kopie von meinem Schwerbehindertenausweis beigefügt, weil ich denke, dass es denen lieber ist, wenn sie es von Anfang an wissen, als wenn es dann erst im Vorstellungsgespräch erwähnt wird. Dann fragen sie sich doch, was jetzt noch alles für Überraschungen auf sie zukommen. Jedenfalls rief mich nach dem Eignungstest mein jetztiger Ausbildungsleiter an und fragte, was ich habe. Ich denke, damit musst du rechnen, einfach damit sich dein Arbeitgeber darauf einstellen kann, eine Behinderung kann schließlich viel bedeuten. Ich habe natürlich gleich klartext gesprochen, theoretisch musst du zwar nicht antworten, aber dann bekommst du sowieso eine Absage. Es war gar kein Problem, ich wurde trotzdem angenommen.

Und was meinst du mit "aktiver sein"?
Im Rathaus zu arbeiten bedeutet nicht zwangsläufig unaktiv zu sein. Es kommt natürlich auf den Bereich an, in dem du arbeitest, aber ich war auch schon oft im Außendienst. Z.B. die Vollstrecker sind sehr "aktiv", wenn die das Geld eintreiben müssen. Dann natürlich der ganze soziale Bereich, ich hoffe, dass ich demnächst mal in ein Kinderheim fahren kann, wo Kinder leben, die vom Amt betreut werden.
Im Moment bin ich beim Jugendamt und da ist immer viel los, weil jeden Tag Publikum vobei kommt usw. Auf's Umweltamt freue ich mich auch schon, da kommt man auch viel raus. Also, öffentlicher Dienst muss nicht trocken sein...

Gruß,
Esperanza

BeitragVerfasst: 10.04.2005, 11:11
von Jana
Hallo,

erstmal vielen Dank für eure Antworten.

Kommen wir vielleicht zu meinen wunsch aktiver zu sein, ich glaub ich meine eher kreativer. Ich wollte eigentlich Mediengestalter oder Maßschneiderin werden, oder ähnliches. Also meine ganzen Ideen die in meinen Kopf rumschwirren in die Tat umsetzten. Ich habe mir auch die Berufe von muenchen.de angeschaut, Mediengestalter usw gab es da ja nun nicht so. Aber München liegt ja auch viel zu weit weg von mir. Wohne nämlich an der Nordsee. :) Da bleibt einen nur die Arbeit auf den Lande....
Okay werden wir mal wieder ernst.
Ich habe mich, glaub ich, entschlossen eine Ausbildung im Berufsbildungswerk zu machen. Auch wenn ihr alle dagegen seid :) Dann habe ich vielleicht auch eine loslösung von meinen Eltern und lerne mein leben selbst in die Hand zu nehmen. Kann ja auch nicht ewig in "Hotel-Mama" bleiben.

Gruß Jana

BeitragVerfasst: 19.04.2005, 06:20
von Gast
Mich würde interessieren in welchen Berufsbildungswerk du eine Ausbildung machst...

BeitragVerfasst: 29.04.2005, 04:39
von simonschweer
Hallo Jana (fast Nachbarin ;-) )

Und wie sieht es inzwischen aus? Machst du die Ausbildung im Berufsbildunsgwerk? Und wenn ja, darf ich fragen wo, in welchem?

Bei mir war es damals ähnlich, ich musste meine Ausbildung/Schule zum Wirtschaftsassistenten aus gesundh. Gründen abbrechen und bin dadurch zum Arbeitsamt gekommen und galt da durch die Krankheit als Reha Fall. Die haben mir dann auch Vorgschlagen eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk zu machen (Hannover)... ich wollte aber nicht so weit weg und wir haben das dann zum Glück hinbekommen das ich die Ausbildung (Büroinformationselektronker) in Bookholzberg (Ganderkesee) im Berufsförderungswerg machen kann. Ist im Prinzip das gleiche wie ein Berufsbildungswerk, aber dort sind nur Reha Fälle, die schon alle eine Ausbildung haben und durch Krankheit jetzt eine neue machen müssen. Meine Ausbildung dauerte dort auch nur 2 statt 3 Jahre :-)) War eigentlich ganz okay da und auch 'ne schöne Zeit.

Trotzdem würde ich dir raten, wenn es möglich ist und du gesundheitlich nicht so eingeschränkt bist, eine 'normale' Ausbildung zu machen. Ein Berufsbildungswerk/-förderungswerk hat meines Erachtens leider immer einen gewissen negativen Beigeschmack, wenn es dann danach um einen Job geht. Ich selbst konnte die Erfahrung zwar nicht machen, bei mir hat danach alles gut funktioniert, aber ich denke da war auch ein wenig Glück dabei :-)

Lieben Gruss
Simon (30 J. / CF)

Re: Ausbildung im Berufsbildungswerk

BeitragVerfasst: 19.08.2008, 16:43
von Schlangenlady
Schon gesehen?
Das Thema wurde auch bei der Jahrestagung 2008 behandelt, hier eine kurze Zusammenfassung:
http://www.muko.info/632.0.html

Uli,46

Re: Ausbildung im Berufsbildungswerk

BeitragVerfasst: 09.09.2008, 17:53
von Inschn
Ich habe in meine ganzen Bewerbungen mit reingeschrieben das ich zu !00% schwerbehindert bin und an Bronchiektasen erkrankt bin. Das hat man mir bei einem Berufsberatungsgespräch beim AA geraten. Ebenso haben die mir versichert, dass das AA die Hälfte der Kosten für den Arbeitgeber übernehmen, wenn die mich einstellen. Zumindest wenn es nicht im öffentlichen Dienst ist. Und auch das mit der Kostenübernahme habe / sollte ich mit reinsetzen.
Und am Ende habe ich gesehen, dass nicht nur der öffentliche Dienst interessiert war sondern auch einige freie Unternehmen draußen in der Wirtschaft.