Frage zur Ausbildung

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Frage zur Ausbildung

Beitragvon Domi am 15.10.2004, 16:44

Hi Leute,

kann mir einer von euch vll. sagen, ob ich als Muko-Patient in der Pflege arbeiten kann? Ich weiß bisher nur, dass mich Aufgrund der Muko z.B. der Rettungsdienst nicht nehmen würde. Würde mich aber z.b. für Kranken-/Altenpfleger interessieren und hoffe jetzt, das mir meine Krankheit da keine Steine in den Weg wirft...

Danke schon mal für eure Hilfe.

mfg Dominik :D
Domi
 

Beitragvon Hexi am 15.10.2004, 17:42

Hallo Dominik,

ob Dir da Steine in den Weg gelegt werden oder nicht ist glaube ich reine Glückssache. Den einen Arbeitgeber störts, den anderen nicht. Was Du aber bedenken solltest: a) ist das ein körperlich sehr anstrengender Job, den Du vielleicht nicht ewig machen kannst, b) kannst Du Dir da so ziemlich jeden Keim einfangen, bzw. die Keime die Du hast an andere (in dem Falle ja meist anfällige) Personen weitergeben. Egal wie Du das nun für Dich entscheidest, ich wünsch Dir jedenfalls viel Glück :D

LG Hexi
Hexi
 

Beitragvon Esperanza am 16.10.2004, 16:53

Hallo!

Also ich stimme Hexi zu, das ist reine Glückssache und hängt von deinem Zustand ab.

Aber ich sage dir ganz ehrlich, ich würde es nicht machen. Zum einen natürlich, weil das auch körperlich sehr anstrengend ist und selbst wenn du es jetzt noch hinbekommst, ist es in ein paar Jahren vielleicht schon anders. Dann bist du auf einmal arbeitsunfähig und hast auch sonst keine andere Ausbildung.
Weiterhin ist natürlich das Problem der Ansteckung. Gerade in diesem Bereich hast du viel mit kranken Menschen zu tun und als CFler bist du natürlich besonders gefährdet. Mir ging es z.B. vor kurzem so, dass ich aus heiterem Himmel plötzlich einen ansteckenden Keim hatte (bin ihn mittlerweile zum Glück wieder los) und es hieß, ich soll ich mich von allen kranken und geschwächten Menschen fernhalten, da ich diese anstecken könnte. Ist natürlich denkbar schlecht, wenn man dann in der Krankenpflege arbeitet, dann müsstest du quasi auf unbestimmte Zeit Urlaub nehmen. Ganz zu schweigen davon, wenn du den Keim nicht mehr loswerden würdest...

Also tut mir Leid, wenn ich dir den Mut jetzt vielleicht etwas genommen habe, aber ich denke, es bringt nichts, wenn man nicht alles beachtet und später dann ohne Arbeit dasteht. Muss man leider realistisch sehen.

Trotzdem wünsche ich dir viel Glück und hoffe, dass du trotzdem das Richtige für dich findest!

Viele Grüße,
Esperanza
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Beitragvon Domi am 17.10.2004, 17:40

Hi Ihr zwei!

Danke für Eure Tipps! Mir ging es eigentlich nicht so sehr um die gesundheitlichen Probleme, sondern rein ob ich das Rechtlich machen darf... weil ich eben wie gesagt z.b. nicht zum Rettungsdienst darf. Warum weiß ich nicht, hat mir nur mal meine Mutter erzählt...

joah also ich bin eigentlich nicht so einer, der wegen der krankheit allen mut verliert und sich auf nix bewirbt oder nie mehr versucht irgendwas zu erreichen. ich möchte nicht anders behandelt werden wie andere, und hab eigentlich keine beschwerden, auch wenn das im behindertenausweiß anders steht (70%). naja, ich fühl mich sau gut, und denke dass sich das nicht so schnell ändern wird... bin da sehr optimistisch... werde mich au mal im krankenhaus und bei sonstigen pflegeeinrichtungen umschauen, was die da so sagen....

mache gerade das FSJ im Pflegedienst und hab gemerkt, dass mir das spass macht... habe schon drei jahre im getränkemarkt gearbeitet, aber irgndwie ist das doch nicht so das richtige für mich... nicht körperlich! aber es ist einfach nicht mein ding, sechs tage die woche von acht bis acht im laden zu stehn.... naja...

danke trotzdem!
grüße domi
Domi
 

CF und Tätigkeit in der Medizin

Beitragvon Gast am 17.10.2004, 20:13

Hallo Domi
Ich möchte Deine Frage etwas ausführlicher beantworten.

Wenn Dein Gesundheitszustand gut ist, Dich eine Tätigkeit in der Krankenpflege interessiert und Dir Spaß macht und Du auch bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt hast, dann habe Mut und probiere es aus.

Ich bin jetzt 36 habe selbst 3 Jahre in der Krankenpflege (Innere, Chirurgie, Gynäkologie) gearbeitet, bevor ich dann mein Medizinstudium aufgenommen habe. Der Unterschied zu Dir ist, dass ich damals nicht wusste, dass ich CF habe. Die Diagnose wurde bei mir erst vor ca. 3 Jahren gestellt. Ich habe mich damals als erstes gefragt, kann ich mit CF weiterhin als Ärztin arbeiten. Die Antwort gaben mir andere Ärzte (Internisten, Chirurgen und ein Anästhesist) mit CF. "JA" ich kann. Aber mit Einschränkungen. Ich darf nicht schwer heben (wg. rezidivierender Pneus) und ich nehme nicht am Rettungsdienst teil. Bei erhöhter Infektionsgefahr (Endoskopien, Patienten mit Problemkeimen ect.) trage ich dann einen Mundschutz.
Unsere modernen Hygienerichtlinien sind aber auch für Gesunde so ausgerichtet, dass bei Problemkeimen Schutzkleidung getragen werden muss und spezielle Desinfektionsmaßnahmen vorgenommen werden müssen.
:(
Was den Rettungsdienst angeht, handelt es sich hier wirklich um eine schwere körperliche Arbeit. Man ist sehr viel draußen, bei Wind und Wetter. Man muss zum Teil schwer heben (Menschen bergen) und auch manchmal sehr schnell laufen, Treppen hoch und im Gelände. Also dass ist bei CF nicht geeignet.
:D
Aber eine Tätigkeit in der allgemeinen Krankenpflege ist durchaus möglich. Die Infektionsgefährdung ist natürlich bei diesem Job größer, als bei einer Tätigkeit im Büro.
Auch gibt es Einschränkungen. Eine dauerhafte Tätigkeit auf einer :( Intensivstation oder einer Infektionsstation solltest Du nicht wählen. Im Rahmen der Pflege-Ausbildung müsste man dann bei Dir diesbezüglich einen speziellen Weg , falls die Ausbildung den Einsatz auf diesen Stationen fordert. Aber ich denke, auch dass ist machbar. :?
:(
Was ich auch nicht empfehlen würde, wäre eine Tätigkeit in einem ambulanten Pflegedienst. Hier ist der Streß dann doch zum Teil sehr groß.

Was den Punkt angeht, dass es sich um einen körperlich sehr anstrengenden Job handelt, hast Du ja bereits Deine Erfahrungen gemacht. Ich habe das damals nicht als körperlich anstrengend empfunden. Man erlernt im Rahmen der Ausbildung gewisse Pflegetechniken, die die Arbeit erleichtern.
Meistens arbeitet man in einem 3-Schichtsystem. Der Vorteil ist hier, dass man regelmäßige Arbeitzeiten und nur wenige Überstunden hat. Der Nachtdienst kann natürlich auch Schwierigkeiten bereiten. Aber ich denke, auch hier kann man eine individuelle Regelung finden. In manchen Häusern gibt es zum Beispiel Dauernachtwachen und demzufolge arbeiten die anderen dann nur im 2-Schichtsystem.
:!:
Allerdings ist eine Tätigkeit in der Krankenpflege mitunter eine psychisch belastende Tätigkeit. Du wirst viele schwerkranke und sterbende Menschen sehen. Sowohl junge Menschen, Kinder und vielleicht auch CFler.

Was die Keime angeht. Man weiß nicht, warum der eine einen Keim bekommt, der andere nicht. Es gibt sehr viele CFler, die medizinische Tätigkeiten auch in CF-Kliniken ausüben und keinen Pseudomonas oder andere Problemkeime haben. Auch ich habe bisher keine und habe nun mittlerweile seit gut 16 Jahren ständigen Kontakt zu kranken Menschen.

Wenn besonders infektiöse Patienten kommen, trage ich Mundschutz und desinfiziere bzw. wasche mir die Hände einmal mehr als sonst.

Wenn Du im Gesundheitswesen tätig bist, erfolgt auf alle Fälle eine betriebsärztliche Einstellungsuntersuchung. Hier muss man besprechen (gemeinsam auch mit Deinem Ambulanzarzt) ob zusätzliche engmaschigere Sputumkontrollen erforderlich sind. Betriebsärztliche Erfahrungen im Umgang mit CF gibt es bisher generell jedoch nicht.
:o
Krank werden, arbeitsunfähig sein und arbeitslos werden, kann Dir in jedem Job passieren. Als Krankenpfleger arbeitet man oft in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Hier werden Schwerbeschädigte bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt.

Das finden eines Jobes ist keine Glückssache. Die Leistung muss gut sein (der Abschluss) und ein hohes Engagement muss vorliegen. Das sind die entscheidensten Kriterien, ob Du den Job bekommst oder nicht. Deine CF spielt nur eine (wenn überhaup) untergeordnete Rolle. Es sei denn, man stellt seine Krankheit selbst in den Mittelpunkt.

Falls sich Dein Gesundheitszustand so verschlechtern sollte, dass Du nicht mehr mit Patienten arbeiten kannst, dann gibt es gerade in der Medizin sehr viele Möglichkeiten zum Beipspiel in der Pflegedienstleitung und Administration tätig zu sein.
Sicherlich trägt man als CFler oft den Gedanken, wenn es schlechter wird.... Aber auch Gesunde können plötzlich schwer krank werden (einem Unfall erleiden, Krebs bekommen oder oder oder).

Was allerdings bei einem Krankheitsverlauf auch sehr wichtig ist, ist die Psyche. Dein Gesundheitszustand wird stabiler sein, wenn Du einen Job hast, der Dir Spaß macht und Dich ausfüllt. Wenn Du einen Job hast, der Dir keinen Spaß macht, bist Du frustriert und wirst häufiger krank.

So war es bei mir auch. Mein erster Job war Wirstschaftskaufmann. Wollte ich nie werden. Das Büro hat micht frustriert. Der Krankenstand war recht hoch. Während meiner 3jährigen Tätigkeit in der Krankenpflege war ich gerade 14 Tage arbeitunfähig und einmal 4 Wochen auf REHA ansonsten war ich mit Therapie top fit

Also, such Dir einen Job, der Dir Spaß macht. Besprich die Dinge mit Deinem Arbeitgeber individuell. Besprich es auch mit Deinem Ambulanzarzt.
Falls Du noch Fragen hast, können wir auch sehr gern einmal telefonieren.

In der Hoffnung Dir etwas helfen zu können
Herzliche Grüße
Carmen
Gast
 


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