Flavonoide / Curcumin: 14. Gießener Kolloquium

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Flavonoide / Curcumin: 14. Gießener Kolloquium

Beitragvon Heischeisch am 23.06.2004, 12:49

Hallo,
zum 14. Gießener CF-Kolloquium am 04. Juni 2004 habe ich auf der Seite http://www.uniklinikum-giessen.de/pneumologie/CF_Kolloquium_2004.html einen Beitrag gefunden. Hier ein Auszug (Hervorhebungen von mir):
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XIV. Mukoviszidose-Kolloquium

Kürzlich traf sich die Mukoviszidose-Arbeitsgruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Moderation von Prof. Hermann Lindemann (Leiter der Mukoviszidose-Ambulanz des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin = ZKJ) erneut zum wissenschaftlichen Gedankenaustausch in der Universitäts-Kinderklinik. Die Arbeitsgruppe war vor 9 Jahren zur Konzentrierung aller Kräfte der Universität Gießen mit dem Ziel der Grundlagenforschung und klinische Forschung auf dem Gebiet der Mukoviszidose (Zystische Fibrose=CF) gegründet worden.

Im Rahmen seiner Begrüßung ging Lindemann darauf ein, dass sich aus der Grundlagenforschung neue Therapieoptionen andeuten, die bei diesem Treffen im Vordergrund stehen sollten.

PD Dr. Robert Bals, Abteilung f. Pneumologie, Innere Medizin, Univ.-Klinik Marburg, referierte über “antimikrobielle Eiweißkörper (Peptide)”, die bei Infektionen im Atemwegssystem eine wichtige Rolle im Rahmen der Abwehr von Bakterien spielen. Bei der Mukoviszidose ist dieses Abwehrsystem in seiner Funktion erheblich gestört. Mit dem schon längere Zeit bekannten Chemotherapeutikum Colistin kann das System erfolgreich unterstützt werden. Eine Pulverapplikation wird gerade in einer Studie auf ihre Anwendbarkeit und Wirksamkeit geprüft.

Dr. Markus Henke, ebenfalls aus der Marburger Arbeitsgruppe, berichtete über andere wichtige Eiweißkomponenten des Bronchialsekrets, sog Mucine, die einen wichtiger Schutzschild der Bronchialschleimhaut bilden. Bei Mukoviszidose-Patienten sind sie im Vergleich zu Gesunden um 45 bis 90 % vermindert. Hier könnte sich mittelfristig ein Ansatz für präventive Maßnahmen ergeben. Zur Zeit konzentriert man sich noch auf die Grundlagenforschung. Seit Anfang des Jahres besteht diesbezüglich eine enge Kooperation zwischen Marburg und Gießen.

Dr. Joachim Pabst, von Hause aus Biochemiker, gleichzeitig Leiter eines auf technischem Gebiet sehr innovativen Unternehmens (PulmoTec GmbH, Höchstädt/Donau), mit dem die Gießener Arbeitsgruppe seit langem engen Kontakt hat (u.a. bzgl. Amilorid-Maghaler) , gab eine Übersicht über die Flavonoide. Diese faszinierende Stoffgruppe, die in fast allen Pflanzen, auch in Obst und Gemüse, und in besonders konzentrierter Form in Weißdornblättern und –blüten, vorkommt, hat wertvolle Eigenschaften, die auch dem Menschen nutzen können. Sie wirken als Sauerstoff-Radikalfänger, hemmen Entzündungen und wirken der Tumorentwicklung entgegen. Nachteilig ist die schlechte Resorption aus dem Dünndarm ins Blut. Dafür sind vor allem feste Verbindungen mit Zuckermolekülen verantwortlich, die erst abgespalten werden müssen. Hier scheint eine intakte Darmflora eine entscheidende Rolle zu spielen. Von den über 4000 Einzelsubstanzen der Flavonoide sind einige für die Mukoviszidose-Patienten besonders geeignet, da sie den gestörten Chlorionentransport verbessern können. Eine verwandte chemische Struktur haben die Curcumine, die kürzlich von Forschern aus den USA und Kanada der Presse aufgrund von Tierversuchen als Hoffnungsträger für Mukoviszidose-Patienten präsentiert wurden.

Dass die Möglichkeit, mit Flavonoiden die Chlorionendurchlässigkeit am respiratorischen Epithel zu bessern, prinzipiell besteht, belegte Dr. Daniel Schüler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZKJ und Leiter des elektrophysiologischen Speziallabors, mit seinen Ausführungen. Zusammen mit Katrin Weber und Doktoranden untersuchte er - nach Genehmigung durch die Gießener Ethikkommission - die Effekte des Flavonoids Kämpferols auf die Spannung an der Nasenschleimhaut, die bei Mukoviszidose-Patienten erhöht ist. Es ließ sich nachweisen, dass bei einem Teil der Patienten mit dem nasal verabreichten Flavonoid Kämpferol im Zusammenwirken mit einem Asthmamittel die Spannung an der Nase beeinflusst werden konnte. Katrin Weber konnte nach ersten Untersuchungsergebnisse im Rahmen einer Folgestudie darüber hinaus beweisen, dass dieser Effekt bei über der Hälfte der Patienten auch nach oraler Verabreichung an der Nase nachzuweisen war (Präparat: Crataegutt novo), was die systemische Wirkung beweist. Erfreulicherweise war bei einem Teil der Patienten, die an dieser Studie teilnahmen, auch eine klinische Besserung zu beobachten.

Abschließend äußerte sich Lindemann befriedigt über die informativen Vorträge und die anregenden Diskussionsbemerkungen. Die jüngsten Ergebnisse zur Wirksamkeit der Flavonoide stellten für ihn einen „Meilenstein“ der neuen Therapieansätze dar, auch wenn es sich um vorläufige Ergebnisse handele. Vordringliche Aufgabe der nächsten Zeit sei es nun, Flavonoide mit dem gleichen Effekt, aber besserer Resorption im Dünndarm ausfindig zu machen. Auch lohne es, die Curcumine daraufhin zu untersuchen, ob sie den herkömmlichen Flavonoiden in ihrer Wirkung auf die CFTR-abhängigen Chloridkanäle überlegen seien.

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Der Einsatz von Crataegus (Weleda) bzw. besser noch Crataegutt novo, welches standardisiert ist, scheint also auch einen Versuch wert zu sein.
Kampferol ist in Tablettenform meines Wissens nicht zu bekommen, habe ich aber nicht intensiv recherchiert!
Liebe Grüße
Heischeisch
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